Soziales Engagement als tragbares Zeichen!
An männliche Mitglieder der Familie v. Stülpnagel sind Orden und Ehrenzeichen in Hülle und Fülle verliehen worden – wie aber ehrte man die Frauen?
Soziales Engagement wurde bei Frauen immer vorausgesetzt. Erst nach 1945 begann ein Umdenken. Nach Louise v. Stumm, geb. v. Stülpnagel (XIII/217, 1887-1962), deren aufopfernde Tätigkeit beim Suchdienst des Roten Kreuzes 1954 mit der Verleihung des Bundesverdienstkreuzes am Bande gewürdigt wurde, erhielt auch Marline v. Stülpnagel, zweite Tochter von Conrad v. Stülpnagel (XIII/173, 1875-1917) und seiner Frau Karoline, geb. v. Eichel (1884-1946), 1980 diese Auszeichnung für Ihre bereits im Kriege praktizierten medizinischen Dienste und späteren Leistungen als Geschäftsführerin des DRK-Kreisverbandes Moers (Rheinland). Der Kreisverband mit seinen 14 Ortsverbänden, 1.400 ehrenamtlichen Mitarbeitern/innen, 8.000 fördernden Mitgliedern, einer Familienbildungsstätte und 10 Angestellten gehörte damals zu den größeren Verbänden.
Die ungeheure Vielfalt der Aufgaben von der Ersten Hilfe und dem Rettungsdienst bis zum Spendensammeln und Bereitstellen von Hilfsgütern, vom Krankentransport über die Betreuung von Asylanten, Invaliden, Kindern usw. bis hin zum Blutspende-Dienst waren schon 1977 Anlass für die Auszeichnung von Marline mit dem Ehrenzeichen des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). In Anerkennung ihrer hervorragenden Verdienste bei der Erfüllung der Aufgaben des DRK, ihrer Mitarbeiterführung und ihrer organisatorischen Fähigkeiten, ihrer Zuverlässigkeit und sprichwörtlichen Einsatzbereitschaft wurde damals hervorgehoben: „Frau v. Stülpnagel lebt, arbeitet und wirkt ausschließlich für das Helfen. Sie befindet sich immer im Dienst. Dank ihrer umfangreichen Kenntnisse weiß sie Mittel und Wege, den Bedürftigen beizustehen und dem Mitmenschen zu helfen. Sie führt die Geschäfte des DRK so intensiv, dass ihr Name synonym mit dem des Kreisverbandes verbunden ist.“ (Geschichte des Geschlechts v. Stülpnagel, 2009, S. 197).
Marline starb nach mehreren Schlaganfällen am 14. April 2006.