Verloren, vergessen und wiedergefunden - die bürgerlichen Linien
Alle bürgerlichen Familien namens „Stülpnagel“ bzw. „Stuelpnagel“ (USA) stammen vom adeligen Stamm ab. Dies ist mit dem früheren Salischen Namensrecht (lex salica) zu begründen, das besagte: Adel und Namen
werden nur im Mannesstamm bei ehelicher Abstammung vererbt. Daraus folgte, dass Kinder nicht verheirateter Frauen den Namen der Mutter trugen, auch wenn die Mutter aus adeligem Hause stammte; in diesem Falle jedoch ohne das „von“. Das nicht eheliche Kind konnte aber auch vom Vater „legitimiert“ werden. Dann erhielt es den Namen des Vaters und er war von nun an vollumfänglich für das Kind und sein Fortkommen verantwortlich.
Legitimierte ein Vater adeliger Herkunft sein nicht eheliches Kind, vererbte er ihm zwar seinen Namen, jedoch nicht seine Adelsprivilegien. Diese waren nur über eine christlich geschlossene Ehe vererbbar, unabhängig davon, ob die Ehe vor der Geburt des Kindes geschlossen wurde oder erst danach. Als „äußeres Zeichen“ dieser Adelsprivilegien fungierte das “von“.
Nach der Abschaffung der Adelsprivilegien im Jahre 1919 wird das „von“ zum Namensbestandteil. Nicht eheliche Kinder einer „v. Stülpnagel“ bekommen nun auch diesen Namen, gehören aber dennoch nicht zum historischen Adel. Die oben beschriebene Legitimation nicht ehelicher Kinder erklärt das Vorhandensein diverser bürgerlicher Äste und Zweige vom adeligen Baum der Familie v. Stülpnagel.
Nach anfänglich innigem Nebeneinander der Linien haben sie sich im Laufe der Zeit aus den Augen verloren, im Rahmen der intensivierten Familienforschung im 20. Jahrhundert aber wiedergefunden. Auf der Basis unterschiedlicher historischer Quellen werden daher nachfolgend am Beispiel der sogenannten Malchiner Linie, der Berliner Linie und der Wittenburger Linie die Verbindungen der bürgerlichen Familien „Stülpnagel“ zum adeligen Stamm dargestellt sowie einzelne Mitglieder dieser Familienzweige aus beruflicher Sicht porträtiert.
Malchiner Linie
Stammvater der Malchiner Linie ist August Fried(e)rich Stülpnagel (~1725–1780), vermutlich drittes Kind von Christian Friedrich Stülpnagel (Schreiber in Taschenberg), seinerseits der nicht eheliche, aber legitimierte Sohn von Wolff Leopold v. Stülpnagel (VIII/42, 1674–1730).
Dies ist das Ergebnis der gegenwärtigen Ahnenforschung.
August Fried(e)rich Stülpnagel wählte den Beruf des Schusters, fand in Malchin seine neue Heimat, und gründete mit einer „Jungfer“ Eic(h/k)horst eine Familie, der drei Kinder geschenkt wurden. August Fried(e)rich gelangte zu beruflichem und gesellschaftlichem Ansehen. Laut Kirchenbuch war er Ältermeister im löblichen Schusterhandwerk.
Auch die Folgegenerationen waren als Meister in verschiedenen Handwerken bzw. als Ackerbürger erfolgreich. Die Mitglieder dieser früher recht weit verzweigten Familie Stülpnagel sind auch heute noch in Malchin anzutreffen. Die Ausgestaltung der Wände des großen Sitzungssaales im Rathaus von Malchin mit insgesamt 72 Zunftzeichen ist ein Werk des Malchiner Malermeisters Gustav Stülpnagel (1879–1966).

Berliner Linie

Ein Enkelkind von Wolff Leopold v. Stülpnagel (VIII/42, 1674-1730, vgl. Malchiner Linie), der Stabsrittmeister Karl Leopold v. Stülpnagel (X/66, 1745–1808), war ein erfolgreicher, hoch ausgezeichneter Offizier, der unvermählt blieb, aber nachweislich zwei Söhne und vermutlich noch einen dritten Sohn hatte (siehe ittenburger Linie). Sein zweiter, legitimierter Sohn Carl Wilhelm Stülpnagel (~1782 – ~1837) war Knopffabrikant. Mit seiner Frau Anna Sophia Sturm wurden sie Eltern von zehn Kindern, die alle in Berlin zur Welt kamen, was zur Bezeichnung „Berliner Linie“ führte. Ihr gleichnamiger Sohn Carl Wilhelm (1814-1842) wurde, getragen von der protestantischen Erweckungsbewegung, 1838 als Missionar der Gossner Mission nach Britisch-Ostindien entsandt. Auch sein Sohn, seine Enkelkinder und sein Urenkelkind blieben der englischen Krone treu und lebten in ihren Kolonien. Allerdings erschweren sich dabei durch den Namenswechsel des Enkels (Charles Willam Swinton) die weiteren Nachforschungen.
Wittenburger Linie
Namensgebend für diese Linie war, dass alle sechs Kinder des Sergeanten Carl Friedrich Stülpnagel (1781/83–1863) und seiner Ehefrau Sophie Lange in Wittenburg, südwestlich von Schwerin, geboren wurden. Carl Friedrich Stülpnagel war ein nicht eheliches, legitimiertes Kind von einem der vier Offiziere v. Stülpnagel, die zur Zeit seiner Geburt in Pasewalk stationiert und mangels einer Kaserne in Privathaushalten einquartiert waren. Da ein Eintrag im Taufregister des Kirchenbuches von Pasewalk fehlt, wird vermutet, abgeleitet aus den Lebensgeschichten der Offi ziere, dass auch hier Karl Leopold v. Stülpnagel (X/66, 1745–1808) der Vater war. Somit wären zwei bürgerliche Linien auf ihn zurückzuführen, die Berliner Linie gesichert, und die Wittenburger Linie vermutlich.
Von den Begründern der Wittenburger Linie erlangte der jüngste Sohn Martin Christian Hermann Stülpnagel/Stuelpnagel (1839–1886) große Bedeutung. Er schlug die theologische Laufbahn ein, wanderte als Pastor 1865 in die USA aus und wurde dort Ahnherr der meisten in den USA lebenden Stuelpnagel.
