Lindhorst

Herrenhaus Lindhorst, Tuschezeichnung, Künstler unbekannt
Veranda Herrenhaus 1979

1375 wurde Claus Stulpenaghel (VI) in Lindhorst aufgeführt, allerdings wohl ohne Wohnsitz. Durch Kauf und Tausch erfolgte eine Vergrößerung des Lindhorster Besitzes, 1441 waren es acht Hufen. 1550 sind eine Schäferei und 1573 zusätzlich Viehhaltung nachgewiesen, was dem Status eines sog. „Vorwerkes“ entsprach. Im Jahre 1700 hatte Lindhorst einen Wert von 3000 Talern; dazu gehörten „Kirchen, Lehn, Straßen-Gerichte, Fischerey,
Jagten, alle gnaden und Gerechtigkeiten“, aber noch keine Gutsanlage. Rittersitz war weiter Taschenberg. Erst im Zuge einer Erbteilung wurde  Lindhorst 1779 selbständiges Rittergut. 1809 begann Wolff Friedrich (X/60, 1752-1825) mit dem Bau eines Herrenhauses. 1816 wurde unter Herrmann (X/74, 1789-1842) die Anlage eines
Parks durch Peter Joseph Lenné (1789-1866) veranlasst. In den 1920er und 1930er Jahren setzte unter  Friedrich (XII/134, 1847-1914), seinem Sohn Siegfried (XIII/196, 1883-1927) und dessen Frau Helene (XIII/196, 1896-1993) eine rege Bautätigkeit und umfangreiche Modernisierung der Landwirtschaft ein. Friedrich initiierte auch den Bau der Eisenbahn von Prenzlau nach Straßburg mit einem Bahnhof in Lindhorst. Nach dem Krieg wurde Helene enteignet, blieb jedoch in Lindhorst. Sie erhielt Anfang 1946 eine 8 ha-Siedlerstelle, ehe 1947 dann die Ausweisung erfolgte.

Mit der Eingliederung der Kleinsiedler in die Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) wurde Lindhorst Außenstelle der LPG Lübbenow. Im Herrenhaus wohnten erst Flüchtlinge, dann wurde es Konsum, Gemeinderaum, anschließend wieder Wohnhaus.

Verfall und Vision

Mitten im Krieg (1942) wurde das Herrenhaus zum letzten Mal renoviert. Nach dem Krieg und bis in die 1970iger Jahre hinein wurde das Gebäude für  Flüchtlinge, für die Dorfgemeinschaft und   gemeindliche Zwecke sowie für den Konsum genutzt; Renovierungsarbeiten fanden aber nicht statt. So verfiel das Haus zusehends. 1989 schließlich war es so baufällig, dass es abgerissen werden musste. Anfang der 1990er Jahre entstanden in der Familie verschiedene Überlegungen zu einer möglichen Nutzung bzw. Umgestaltung, deren Umsetzung wegen der ungeklärten Eigentumsverhältnisse jedoch nicht weiter verfolgt wurde.

Vision 1994 durch eine Skizze von Gisbert (XV/301)

Der Lindhorster Park und Lenné

Herrenhaus Lindhorst, Tuschezeichnung, Künstler unbekannt

Über den Park in Lindhorst gibt es kaum historische Dokumente. In der Familiengeschichte (1938) verweist der Autor W. v. Kiekebusch auf Berichte, in denen Herrmann v. Stülpnagel (XI/74, 1789-1842) auf seinem 1816 erworbenen Gut Lemmersdorf einen Park vom königlich-preußischen Gartenarchitekten Peter-Josef Lenné anlegen ließ. Nachdem
Herrmann von seinem Vater Wolff Friedrich v. Stülpnagel (X/60,1752-
1825) Lindhorst geerbt hatte, vollendete er den begonnenen Neubau des Herrenhauses und ließ auch hier den Park von Peter-Josef Lenné  errichten. Unterstützt wird diese Annahme durch ein Gemälde, auf dem Lindhorst sowie in zwei Scherenschnitten Herrmann und Peter-Josef Lenné abgebildet sind. Der ursprüngliche Landschaftspark mit seiner großen Sichtachse vom Herrenhaus über den See nach Taschenberg ist heute nur noch sehr schwer auszumachen; auch die malerische  Holzbrücke ist verschwunden.

Das kulturelle Leben

Das Leben auf dem Land und in der Landwirtschaft war immer geprägt von harter Arbeit.

In Lindhorst aber gab es neben der Stall- und Feldarbeit schon Ende des 19. Jahrhunderts verschiedene Anlässe, an denen die Arbeiter zum Feiern eingeladen wurden. Gemeinsam beging man das Erntefest und feierte Geburtstage sowie Hochzeiten. Und es gab ein Kinderfest, für das Helene (XIII/196) ein Karussell erwarb, das zwischen Bahnhof und „Neubau“ aufgebaut wurde. „Freie Fahrt“ erhielten alle Jugendlichen, die mit ihrer
Muskelkraft in einem Rundlauf für den Antrieb sorgten!

An den Festtagen wie Ostern und Weihnachten öffnete Helene gerne ihr Haus – und die Dorfjugend nutzte mit Freude den Park und den See!

Der Gutshof

Lindhorst war ein Gutshof mit einer klassischen U-förmigen Hofanlage und einem Herrenhaus im Süden. Die Scheunen mit Fachwerk und Reetdach aus dem 19. Jahrhundert wichen mit der Zeit  ansprechenden Massivbauten. Prägend ist der Kornspeicher aus dem Jahr 1923. Das Beamtenhaus wurde aufgestockt.

Alle 1992 noch vorhandenen Gebäude wurden bzw. werden seither saniert.

Mensch und Technik

Der Mensch und die eingesetzte Technik waren das wichtigste auf den Gütern – auch wenn die Gewichtung beider Bereiche mit den Jahren wechselte. Waren früher viele Arbeiter und wenig Technik im Einsatz, so ist dies heute eher umgekehrt.

Auch in Lindhorst gab es in vielen Bereichen arbeitende Hände: Gespannführer, Melker, Schäfer, Schmied und Stellmacher, Hausdame, Köchin, Diener und Kutscher in Personalunion und zeitweise sogar einen Lehrer. Aber schon um 1890 begann Friedrich  v. Stülpnagel (XII/134) in Lindhorst unterstützende Technik einzusetzen.
So wurde eine Fördereinrichtung zur Viehfütterung eingebaut; Traktoren, Rübenroder und Dreschkästen eroberten den Betrieb. Große Getreide- und Strohlager wurden gebaut. Friedrich initiierte den Bau der Eisenbahnstrecke Prenzlau- Strasburg als Normalspurbahn und legte für den Ernteeinsatz auf den Feldern eine Hof-Bahn mit beweglichen Eisenbahnschienen über eine Länge von 4 Kilometern an.

Das Gutsdorf

Lindhorst_Dorfstraße_1923Lindhorst_Dorfstraße_2019

In den 1930er Jahren waren die bestehenden  Fachwerkkaten an der Dorfstraße und am  Taschenberger Weg völlig marode.

1934–1936 erfolgte der Neubau von 4 Vierfamilienhäusern jeweils mit Stallgebäude sowie die  Sanierung der „Schnitterkaserne“ unter Verwendung des Abbruchmaterials. Mit ihren Dachgauben prägen die Gebäude noch heute das Dorf.

Zeitenwende 1989 - 2020

Landwirtschaft

Anbauplan auf den Flächen in Lindhorst - Beispiel 1996/1997

Mit der politischen Wende 1989 erfolgte ein großer Umbruch. Neben der gesellschaftspolitischen
Veränderung erfolgte vor allem eine Neuausrichtung der Landwirtschaft. Die LPG-Strukturen mit ihrem
enormen Personalaufwand wurden aufgelöst und privatisiert. Es entstanden Dienstleister und Handwerksbetriebe, die für die Landwirtschaft tätig wurden.

1991 fiel in der Familie v. Stülpangel der Entschluss, sich mit der Familie v. Oppen als „Wiedereinrichter“ in Lindhorst zu engagieren. Seit 2016 gibt es eine erfolgreiche Zusammenarbeit der v.Stülpnagel-Lindhorst GmbH mit Axel Schulze vom Gut Zernikow.

Heutige Agrarbetriebe benötigen nur noch wenige Beschäftigte und die neue computergesteuerte Agrartechnik wird über GPS und Satelliten navigiert.

Claas-Traktor Axion 930 mit Pflug 2019
Mähdrescher 2019

Autobahnbau

Varinate 1 der geplante Trassenführung der A20

Bei der Planung zum Bau der A20 in den 90iger Jahren gab  es auch eine Trassenführung,  die direkt an Lindhorst vorbei führen sollte.
Die sogenannte Variante 1  führte zwischen Wolkegk und Strasburg über Fahrenholz  vorbei an Lindhorst nach Taschenberg und von dort  über Bandelow und Prenzlau  ans Kreuz Uckermark.

Erhalt und historische Rekonstruktion 2020

Der fast 80 m lange Kuhstall wurden 1870/75 im Erdgeschoss aus gespaltenen Feldsteinen errichtet, während der darüber liegende Heuboden als  Fachwerkkonstruktion mit ausgemauertem und verfugtem Gefache konzipiert wurde. Im Zuge der Technisierung erfolgte in den 1930er Jahren der Einbau einer
mechanischen Fütterungsanlage. Vermutlich wegen Baufälligkeit wurde in den 1970er Jahren der Rückbau des Fachwerks vom nördlichen Gebäudeteil vorgenommen und das Dach auf die Feldsteinkonstruktion gesetzt.